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Noch bis zum 13. Februar: Ausstellung 'Vom Lehrling zum Azubi'

Ausstellung Wirtschaftsarchiv, Foto: Hessisches Wirtschaftsarchiv

Ansprechpartner:

Claus Gilke
Tel.: 06151 871 240
Fax: 06151 871 100 240

Dokument-Nummer: 19692

Noch bis zum 13. Februar: Ausstellung 'Vom Lehrling zum Azubi'

Vom 12. Januar bis 13. Februar 2010 ist im Foyer der IHK Darmstadt eine Ausstellung zur Geschichte der Berufsausbildung im 19. und 20. Jahrhundert zu sehen. Im Interview erläutert Dr. Ulrich Eisenbach  vom Hessischen Wirtschaftsarchiv in Darmstadt Hintergründe und Ziele der von ihm zusammengestellten Schau. 

IHK-Report: Dr. Eisenbach, warum hat das Wirtschaftsarchiv eine eigene Ausstellung zur Geschichte der Ausbildung zusammengestellt?

Dr. Ulrich Eisenbach: Die Berufsausbildung gehört zu den großen gesellschaftspolitischen Themenfeldern unserer Zeit. Technologischer Fortschritt und globaler Wettbewerb stellen nicht nur an Auszubildende immer höhere Anforderungen, sondern verlangen auch nach Ausbildungsformen, die größtmögliche Effizienz und Flexibilität gewährleisten. Das spezifisch deutsche System der dualen Ausbildung – die Kombination von fundiertem theoretischem Wissen und praktischen Erfahrungen und Fertigkeiten – scheint den Herausforderungen unserer Zeit besser gewachsen zu sein als andere Modelle. Es ist sicher kein Zufall, dass Deutschland in Europa zu den Ländern mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit zählt. Nichtsdestotrotz ist auch die duale Ausbildung in die Diskussion geraten. Zwar gibt es kaum jemanden, der das System als Ganzes in Frage stellt, doch Kritik an einzelnen Komponenten gibt es durchaus. Um die Diskussion verstehen zu können, ist es hilfreich, einen Blick auf die Geschichte der Ausbildung zu werfen.

Wie kam es überhaupt zur Entwicklung der dualen Ausbildung?

Die Wurzeln der dualen Ausbildung reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Als mit der Gewerbefreiheit die Grundlage für die von den Zünften organisierte so genannte Meisterlehre entfiel, entwickelten Unternehmen, Gewerbevereine, Handelsvereine und Kammern neue Formen der schulischen und betrieblichen Ausbildung. Zwischen 1820 und 1845 entstanden aus privater Initiative die ersten Zeichen-, Gewerbe- und Handwerkerschulen. Bis spätestens 1922 gingen sie in die Trägerschaft der Kommunen oder Kreise über. Aus ihnen entwickelten sich noch in den zwanziger Jahren die Berufsschulen, allerdings zunächst noch ohne eine allgemeine Berufspflicht. Die wurde erst 1938 für alle Jugendliche beiderlei Geschlechts gesetzlich in ganz Deutschland eingeführt. Die betriebliche Lehre als zweite Säule des dualen Systems kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts hinzu. Damals begannen die großen Industriebetriebe mit einer systematischen Ausbildung des Facharbeiternachwuchses. Zwischen 1918 und 1938 nahm dieses Ausbildungssystem feste Formen an. Lehr- und Anlernberufe wurden geschaffen, Berufsbilder erstellt und Lehrabschlussprüfungen zwingend vorgeschrieben.

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Foto: Hessisches Wirtschaftsarchiv

Wie hat sich die Berufsausbildung nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt?

In den ersten Nachkriegsjahren herrschte ein schwerwiegender Lehrstellenmangel und hohe Jugendarbeitslosigkeit. Ab etwa 1954, mit dem beginnenden Wirtschaftswunder, änderte sich die Situation sehr schnell. Der Lehrstellenmangel verwandelte sich in einen Lehrlingsmangel. Jugendliche sahen sich plötzlich heftig umworben. Unternehmen taten alles, um Nachwuchskräfte zu rekrutieren und dauerhaft an sich zu binden. Den veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen trug 1969 dann das Berufsbildungsgesetz Rechnung, das verbindliche Ausbildungsstandards schuf und die Rechte der Lehrlinge stärkte. Apropos Lehrlinge: Sie hießen seit 1969 offiziell Auszubildende – ein Begriff, an den sich viele nur sehr langsam gewöhnten.

Was ist in der Ausstellung in der IHK zu sehen?

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Foto: Hessisches Wirtschaftsarchiv

Die Ausstellung des Hessischen Wirtschaftsarchivs beschreibt am Beispiel Hessens diesen langwierigen Prozess von den Frühformen der kaufmännischen und industriell-gewerblichen Lehre bis zum heutigen System der dualen Ausbildung. Ein besonderes Kapitel widmet sie der Ausbildung im Nationalsozialismus, die von der totalen ideologischen Vereinahmung der Lehrlinge geprägt ist. Flaggenappelle, schwülstige Feiern und militärische Umgangsformen bestimmen seit 1933 den Alltag der Lehrlinge in Berufsschule und Betrieb. 

Den Film zur Ausstellung können Sie sich hier anschauen. 

Ausstellung in der IHK

Neben rund 180 Karten, Stichen und Fotos sind in der Ausstellung „Vom Lehrling zum Azubi“ in der IHK Darmstadt zahlreiche Originaldokumente und Exponate aus dem schulischen und betrieblichen Bereich zu sehen. Sie stammen von 50 institutionellen und privaten Leihgebern.

Begleitend zur Ausstellung ist ein 124-seitiger, farbiger Katalog erschienen, der für 13,80 Euro entweder direkt beim Hessischen Wirtschaftsarchiv, bei der IHK Darmstadt oder im Buchhandel erworben werden kann.  Die Ausstellung wendet sich in erster Linie an Abschlussklassen allgemein bildender Schulen, an Berufsschülerinnen und Berufsschüler, an Lehrer und an Ausbilder. 

Die Ausstellung ist vom 12. Januar bis 13. Februar 2010 im Foyer zu den üblichen Öffnungszeiten der IHK Darmstadt zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Information: Dr. Ulrich Eisenbach, Hessisches Wirtschaftsarchiv Darmstadt, Telefon: 06151 165-000, E-Mail: info@hessischeswirtschaftsarchiv.de

 

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